Neue Songs aufnehmen
(Okt 2026)
Was wir in den letzten Monaten machen, klingt wie der Traum eines jeden Musikers. Die ganze Band in einem Raum (naja, eigentlich in zwei Räumen, wenn man bedenkt, dass der eine Verstärker auch einen eigenen Raum hat, dann sind es sogar drei Räume, aber das sind ja Details und die sind für dieses Bild hier jetzt mal nicht so wichtig), die Bandmaschine läuft (naja, es ist eigentlich ein kleines Macbook, aber das sind Details und eine Bandmaschine ergibt einfach eine schönere Atmosphäre als so ein kleines weißes Computerchen), der Schlagzeuger zählt ein, alle grinsen und der Song geht los. Der Sound ist grandios, die Drums wummern, der Bass groovt die Wände hoch und die E Gitarre zerschneidet die Luft mit glasklarem Sound (naja, eigentlich haben wir alle Kopfhörer auf und die wirklichen im Raum zu hörenden Sounds sind lediglich die Drums und ein bisschen Unverstärktes von den Gitarren, aber das sind Details). Alle spielen zusammen, gleichzeitig, so wie auf der Bühne auch, so wie es sein sollte, so wie Musik wirklich funktioniert, so wie Musik machen am meisten Spaß macht.
So nehmen wir gerade unsere neuen Songs auf. Immer in der Hoffnung, dass wir auf einem kleinen Tonträger oder einem Soundfile auf einem der Streamingdienste so klingen können wie auf der Bühne und dass unsere Aufnahmen damit das abbilden, was wir live machen (naja, dass meine Akustikgitarre und die Vocals später noch einmal aufgenommen werden, damit die Aufnahmequalität besser wird, gehört zu den Details, die jetzt nicht so wichtig sind). Das Gefühl stimmt, wir sind alle im Moment. Alle zusammen. Alle angeschaltet.
Meistens wird Musik heute eigentlich Schritt für Schritt, bzw. Spur für Spur aufgenommen und alle Musiker spielen dabei ihre Parts einzeln für perfektes Timing auf einen Klick ein, sodass man im Nachhinein die Spuren auch gut hin und herschieben kann (naja, so habe ich meine ersten zwei Alben auch aufgenommen, aber das sind jetzt Details und außerdem hatte ich da auch noch keine so coole Band im Rücken). Wir aber hatten alle vier das Gefühl, dass wir es anders machen wollten und haben uns entschieden, beim Einspielen der Songs miteinander zu spielen, live, direkt und ohne eine automatisierte Klickspur, die uns zwingt, einen Takt zu halten oder einer Tempovorgabe hinterherzurennen. Wir haben dafür Adi an den Drums, der unsere Taktgeber ist und der immer genau weiß, wann ein Song genug schwebt oder noch am Boden herumkrepelt. Das reicht uns, bzw. so wollen wir das. Vielleicht sind wir deshalb auf den Aufnahmen, wie auf der Bühne auch, während eines Songs manchmal etwas schneller und manchmal etwas langsamer. Vielleicht machen wir auch Fehler (ganz nach Will Varley, der sein 2025er Album „Machines will never learn to make mistakes like me“ genannt hat - Unbedingter Anspieltipp: End Times) und lassen die dann in der Aufnahme auch drin, denn dadurch klingt es nach uns. Vielleicht fällt das aber auch niemandem auf. Vielleicht finden das aber auch Leute blöd. Vielleicht ist das aber auch gar nicht der Punkt, und ehrlich gesagt, wäre mir das auch total egal. Denn ich bin so froh und unglaublich stolz darauf, dass ich diese drei Musiker gefunden habe und das wir vier, nicht nur im Proberaum, nicht nur auf der Bühne, sondern auch bei den Aufnahmen so auf einer Wellenlänge, so zusammen und so beieinander sind, dass das Ergebnis eigentlich nur gut werden kann, denn das Gefühl beim Musik machen, beim Einspielen stimmt. Und das muss reichen. Und das wird reichen. Und in dem Sinne ist es eben auch die Erfüllung eines Traumes.
Wann wir fertig sind und man sich das anhören kann? Gute Frage. Wir machen so schnell und gut es eben geht, wenn man nebenbei noch die eine oder andere Stunde am Tag mit bezahlter Lohnarbeit verbringen muss.
Bandkram
(Feb 2025)
Im Sommer 2024 standen für mich zwei Auftritte an, die ich irgendwann einmal, ohne wirklich eine Band zu haben, mit Band gebucht hatte. Meine Optionen waren klar. Absagen oder allein spielen oder eine Band zusammenstellen. Rückblickend war eine Band zusammenzustellen die richtige Entscheidung. Here is why.
Seit ein paar Monaten habe ich jetzt zum ersten Mal eine Gruppe von Musikern um mich herum, die meine Songs wirklich mag, Musiker die diesen Songs Leben einhauchen, die sich einbringen, die die Songs besser machen und die einfach alle unheimlich gute Typen sind. Was das mit mir macht, ist schwer in Worte zu fassen – korrekt, man könnte meinen er wird es jetzt trotzdem versuchen – true.
Ich sage mal so, es gab bisher noch keine Probe oder auch kein Konzert aus denen ich nicht mit einem breiten Grinsen und tiefer Dankbarkeit rausgegangen bin. Es gibt da immer diesen einen Moment am Anfang der Probe oder eines Konzerts - wenn die ganze Band beginnt zu spielen - in dem ich selbst immer wieder so überrascht und begeistert bin, dass ich kurz in mich hineinlächle und mich einfach nur freue, dass wir machen, was wir machen. Pure Freude. Und dann gibt es in jedem Song inzwischen Dinge die die Jungs eingebracht haben, über die ich mich immer wieder so freue. Ich bin immer wieder überrascht, dass mir das Zuhören selbst dann so viel Spaß macht.
Die Geschichten wie wir im Einzelnen zusammengefunden haben, sind es absolut wert auch mal erzählt zu werden, aber heute soll es nur um das große Ganze gehen. Eine Band ist normalerweise ein fragiles Gebilde aus verschiedenen Motivationen, Egos, Beziehungen, musikalischen Vorlieben und was weiß ich alles. Und naja, nicht jeder hat das Glück, mit seinen besten Freunden eine Band zu gründen. Sondern manchmal sthet man sich tatsächlich fünf Minuten nach dem ersten Kennenlernen mit einem Instrument in der Hand gegenüber und zählt einen Song ein. In unserem Fall war es so, dass wir uns alle mehr oder weniger durch die Musik kennengelernt haben, und manchmal war es dann genauso „Hi, ich bin…“ „1,2,3,4“ Und dann Krach.
Aber vielleicht ist das eben auch was es so gut macht, dass alle diese Songs mögen. Es ist aber auch so, dass wir immer viel zu reden haben, alle zuhören wenn wir reden, jeder wirklich da sein will wenn wir uns sehen und wir irgendwie diese ganzen Egosachen wohl schon erledigt haben im Leben. Auf jeden Fall spielen diese Jungs auch so gut und auf den Punkt und mit genau der richtigen Mischung aus Zurückhaltung und Dominanz ihre Parts, dass ich immer wieder nur staunen kann. Und inzwischen schreiben wir sogar zusammen neue Songs. Ich kann nur sagen, ich mag diesen Weg sehr den wir da gehen.
Manche Dinge kann man auch zerschreiben und das will ich nicht. Und ich habe bestimmt auch schon bessere Texte geschrieben als den hier, aber darum geht es nicht. Deshalb hier einfach nur Danke an Adi, Eddi und Daniel. Und ich freu mich schon wahnsinnig darauf, wenn ich auf dem nächsten Konzert dem Publikum die Band wieder namentlich vorstellen kann.
Es gibt diese Momente
(Juli 2024)
Mit (un-)schöner Regelmäßigkeit gibt es Momente oder Phasen, in welchen ich mich frage, warum machst du das alles eigentlich? Wofür dieses wochenlange Proben für Konzerte, zu denen am Ende nur zwei Personen kommen? Weshalb jahrelang an einem Album basteln, das dann bei Spotify und Co. irgendwelche Beträge im Tausendstel Centbereich im Monat abwirft und das es nicht mal über die Schallgrenze der 1000 Streams schafft? Wofür eigentlich dieses ewige Ringen mit Textzeilen immer auf dem schmalen Grat zwischen zu kitschig und finde ich gut, dieses jahrelang an einzelnen Songs basteln, die dann doch nicht fertig werden (an einem meiner Lieblingssongs schraube ich seit nunmehr acht Jahren)? Weshalb schreibe ich diese hunderte Emailanfragen für Konzerte, nur um eine einzelne Konzertzusage zu ergattern? Und more often than not verlassen mich dann der Mut und die Energie, weiterzumachen. Dann scheinen Aufgeben und alles hinzuschmeißen und die Gitarre an die Wand zu hängen so einfach, logisch und reizvoll.
Und es sind dann eben diese Momente, in denen ich mit der Gitarre in der Küche mit einer kleinen Melodie kämpfe oder in der S-Bahn mit meinem kleinen Notizbuch an Textzeilen feile, die sich so anfühlen, als ob ich eh die einzige Person bin, die darauf wartet, dass da etwas fertig wird, etwas dabei „rauskommt“. Und auch dann erscheint mir manchmal das Aufhören wie eine gute Idee. Es scheint mir dann oft wie eine Entscheidung ohne wirkliche Konsequenzen. Wie ein Stein, der ins Wasser geworfen wird und keine Wellen macht, sondern leise und unbemerkt auf den Boden sinkt.
Aber bis jetzt haben diese Momente nie dazu geführt, wirklich aufzuhören. Denn die Augenblicke, in denen ich merke, dass diese Musik etwas ist, das ich in meinem Leben brauche, kommen immer wieder. Und dann ist es unglaublich schön, Konzerte auch für nur zwei Leute zu spielen. Denn die haben dann einen guten Abend und nehmen sich die Zeit über die Songs zu reden oder sie nehmen einfach nur das Konzert zum Anlass, sich überhaupt mal wieder zu treffen und danach mal wieder zu reden. Dann ist mein Konzert eine Gelegenheit gewesen, Menschen zusammen zu bringen, die sich eventuell sonst nicht so schnell wieder gesehen hätten, denn wie sagt Fatoni so richtig „Warum schaffen's Erwachsene nicht mal Freunde zu treffen?“ („Wunderbare Welt“ Fatoni).
Und dann ist da auch diese unbändige Freude, wenn ich meine eigene Platte in den Händen halte, die nach all den Jahren endlich fertig geworden ist und die einen so langen Weg hinter sich hat, dass ich nicht umhinkann, ein wenig stolz zu sein und dieses silberne Ding ungläubig in den Händen hin und her zu drehen. Und den Karton mit den fein säuberlich geordneten CDs zu sehen, deren Wege sich dann verselbständigen, gibt dem Ganzen einen eigenen Wert. Später höre ich dann, dass es ein Auto gibt, welches jahrelang durch die Gegend fährt und in welchem immer nur eine einzige CD läuft, nämlich meine. Und dann hoffe ich, dass es reicht, und dann hoffe ich, dass ich immer glauben kann, dass ich keine großen Umsatzzahlen und Plattenverkäufe brauche. Dass das alles schon ok ist, so wie es ist.
Und dann gab es letztens diesen einen Moment, in welchem mein Spotify Algorithmus für mich genau in dem Moment meinen Song „Fünf Minuten“ rausgesucht hat, in dem ich an dem Ort bin, wo die erste Textzeile des Songs entstanden ist (unterhalb des Viktoriaparks in Berlin-Kreuzberg). Dann schleicht sich schon eine Freudenträne ins Auge. Und dann schaffe ich es wirklich zu denken, dass diese Klickzahlen doch egal sind und dass es darauf nicht ankommt, wenn Musik für einen Moment gemacht ist oder bestenfalls für mehrere besondere Momente. Solche Dinge lassen mich dann weitermachen und sind vielleicht auch mit der Textzeile „Es gibt diese Momente, in denen macht alles Sinn“ in meinem Song „Diese Momente“ gemeint.
Eine fast schon irrationale, aber wahrscheinlich schwer vermittelbare Motivation weiterzumachen, ziehe ich persönlich aus den kurzen Augenblicken, in denen ich eine Zeile geschrieben habe, die ich für gut halte oder eine Akkordfolge gefunden habe, die mir nicht mehr aus dem Kopf geht. Da kann die Aneinanderreihung von wenigen Worten eine ganze verregnete, kalte und trübe Woche in Berlin retten. Dann kann mich eine kleine Melodie ein paar Tage lang mühelos durch den Alltag tragen. Und dann habe ich genug Mut, um Matze Rossi zu glauben, wenn er singt „Verschwende keine Zeit mehr mit Zweifeln und Bedauern“ („Zweifeln und Bedauern“ Matze Rossi).
Und schließlich sind die Momente, in denen eine Konzertzusage kommt und sich Leute da draußen, die ich bis dahin vielleicht noch nicht kenne, ehrlich freuen, wenn ich für bei ihnen spiele, unglaublich schön. Und dann denke ich oft zurück an die Anfänge, als ich mit Ende Zwanzig in meinen ersten Stunden im Gitarrenunterricht saß, und versucht habe meine Finger mit purer Willenskraft in die richtige Position zu zwingen. Oder als ich Jahre später voller Stolz dem gleichen Gitarrenlehrer ein Video gezeigt habe, wie ich bei einem Songslam einen eigenen Song gespielt habe, und er nur lapidar sagte „Ja, ganz gut. Musst du halt noch singen lernen.“ Jahre später sind es jetzt so viele Konzerte, die in der Erinnerung vielleicht auch schöner sind, als sie vielleicht gut waren, aber trotzdem immer wieder eine wahnsinnige Energie entfachen, wenn sie dann vor der Tür stehen. Und am Ende habe ich seit dem Frühjahr 2024 plötzlich eine Band, die meine Songs auf eine Art und Weise spielt, die den einzelnen Musikern sichtlich Spaß bringt und mich manchmal andächtig einfach nur zuhören lässt. Und auf die nächsten Konzerte freue ich mich so sehr, dass die Idee des Aufhörens nur noch ein sehr leises Echo aus vergangenen Zeiten ist. Und dann steht am Ende der vielen Überlegungen auf einmal eine Leichtigkeit und eine Dankbarkeit dafür, das alles machen zu können und dann kann ich auch in Ruhe Gisbert zuhören, wenn er singt „Und lauf ruhig deine Runden, du wirst schon sehen wohin sie führen“ („Verschwende deine Zeit“ Gisbert zu Knyphausen). Insofern probe ich weiter, schreibe ich weiter an Songs, verfasse ich weiter Mails, um ein paar Konzerte an Land zu ziehen und freue mich auf die Begegnungen, die da auf mich warten.
Albentitel
(Nov 2023)
Während ich so an meinem zweiten Album bastel habe ich mir immer wieder Gedanken gemacht, wie das Ding eigentlich heißen soll.
Tja, das ist so eine Sache. Wie nennt man ein Album? Ich versuche jetzt mit dem aktuellen Album mal den Klassiker. Album nach einem Song auf dem Album benennen. Ist ja auch nicht verkehrt, denn wenn mal jemand einen Song sucht, dann findet man zumindest den Titelsong ziemlich sicher auf der Platte. Es sei denn, jemand kam auf die fiese Idee, ein Album nach einem Song zu benennen, der gar nicht auf dem Album drauf ist sondern woanders. Also wenn z.B. Element of Crime ihren Song "Die schönen Rosen" auf dem Album ""Lieblingsfarben und Tiere" vertseckt hätten, wäre das nicht nur historisch gesehen sehr fragwürdig.
Aber es gibt ja auch noch andere gute Möglichkeiten. Man könnte den Klassiker Nr. 2 machen und das Album einfach mit einer Zahl (das wievielte Album ist es denn eigentlich?) benennen. Bei mir wäre es also "Nr. 2" oder "Zwei". Klingt in meinen Ohren aber etwas trocken und ein wenig so als ob einem nichts eingefallen ist. Hm, auf der anderen Seite ist es aber auch ganz schön, wenn man nicht ewig überlegen muss wie die Reihenfolge der verschiedenen Alben ist, sondern diese Info gleich im Titel mitgeliefert bekommt. Irgendwie hat das Ganze aber auch seine Grenzen, denn, naja, was klingt besser "No. 6" oder "Generator" - ich glaube nicht nur Bad Religion waren gut beraten, da nicht die Zahl als Titel zu nehmen.
Eine gern gewählte Option ist auch der "Kein-Song-klingt-aber-so" und irgendwie bedeutungsvolle Albumtitel. Also Frank Turners Album "Sleep is for the week" möchte man sowieso hören weil es von Frank Turner ist, aber auch weil es so einen schönen programmatischen Titel hat. Kann man machen. Ich habe mein erstes (und bisher einziges Album) "Bis hierher und dann?" genannt, weil mir tatsächlich nicht klar war, ob es danach weitergehen würde / könnte / sollte. Fand ich damals wichtig. Wo genau der Titel aber her war? Keine Ahnung.
Es gibt natürlich auch Alben ohne Titel. Die sind zu Teilen legendär und das schwarze Album von Metallica (was offiziell wohl "Metallica" heißt) ist ein Standard, an den sich wahrscheinlich nicht viele rantrauen. Fair enough. Besser so vielleicht auch, denn Scheitern gehört zwar dazu, aber man muss es ja nicht schon herausfordern bevor irgendjemand auch nur eine Note der Platte gehört hat. Also für mich wäre das aus diesen und einigen anderen Gründen (kein Titel - verschenkte Möglichkeit) keine Option und deshalb hier auch als letzte Variante und weniger ausführlich beleuchtet.
Bei manchen Stücken ist es zum Glück nicht wichtig zu wissen, wie der Albumtitel ist - mir doch egal auf welcher Platte "I know how to speak" von Manchester Orchestra drauf ist, der Song ist einfach genial. Punkt. Was da noch so für Songs auf dem Album sind, brauche ich da auch nicht zu wissen. Unter anderem deshalb sind Albentitel vielleicht auch nicht immer wichtig. Auf der anderen Seite möchte ich keine Albumtitel vermissen, die so gut gewählt sind wie "Du und wieviel von deinen Freunden" (Kettcar).
In diesem Sinne - make up your mind - because that has never been really wrong, anyway.